2050: Nationalpark Schwarzwald – Vision

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Auf einem abgelegenen Hof im Schwarzwald neigt sich ein sonniger Herbsttag dem Ende zu. Biobäuerin Katja sitzt nach einem anstrengenden Arbeitstag in ihrer Stube vor dem Kamin und genießt den Feierabend. Es ist so ruhig, dass sie hört, wie die Touristen die sie fast den ganzen Tag durch den Nationalpark geführt hatte, erschöpft ins Bett fallen.

Auf einmal fällt ihr ein, dass sie vergessen hat den neuen Holzstall abzuschließen, der ein paar hundert Meter vom Hof entfernt steht. Sie ruft ihren Schäferhund Donald, zieht einen dicken Mantel an und läuft nach draußen. Es dämmert schon und es ist klirrend kalt. Der Weg zum Stall ist rutschig vom Herbstlaub und es ist schon so dunkel, dass Katja kaum noch etwas sieht. Plötzlich hört sie ein leises Rascheln vom naheliegenden Waldrand her. Sie starrt in die Dunkelheit und sieht im aufgehenden Mondlicht eine große graue Kreatur, die unter einer alten Buche steht. Kurz darauf durchdringt Wolfsgeheul die Nacht!

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Früher hätte Katja Angst gehabt, doch jetzt freut sie sich sogar. Seit gut zwanzig Jahren lebt ein großes Wolfsrudel rund um ihren Hof. Sie schaut kurz zu dem alten Leitwolf der am Waldrand steht und läuft dann weiter, die beiden kennen sich schon lange. Sogar Schäferhund Donald hält es nicht mal mehr für nötig zu bellen und trottet hinter Katja her.

Erst gestern hatte sie die biologischen Duftstoffe nachgefüllt die ihr „Revier“ rund um den Hof markieren. Katja weiß genau, dass die Wölfe ihre Grenze respektieren und so ihren Tieren auf dem Hof nicht zu nahekommen. Die Wölfe würden auch niemals ohne besonderen Grund Menschen angreifen, das war Katja schon vor der Wiederansiedlung klar und es hat sich schon über viele Jahre bestätigt. Um ihre Tiere auf den Weiden zu schützen hat die Bäuerin von der Regierung mehrere Drohnen bekommen. Nähern sich die Wölfe der Herde, starten die Drohnen in Sekundenschnelle und scheuchen die Wölfe zurück in den Wald.

Katja schließt den Stall zu und läuft mit Donald zurück zum Haus, die Wölfe sind wären dessen weitergezogen. Sie ist dankbar für die Wölfe. Seit sie zurück sind hat sich das Ökosystem im Nationalpark positiv verändert. Seltene Pflanzen und Tiere sind in den Nationalpark zurückgekehrt und mit ihnen jede Menge Touristen die Katjas Haupteinnahmequelle sind.

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1. Dezember 2036 – Schneeschuhwandern in den Spuren des Wolfes.

1. Dezember, Feldberg (Schwarzwald)

Schneeschuhwandern in den Spuren des Wolfes soll ab diesem Winter noch mehr Touristen in den Nationalpark Schwarzwald locken.

Den Menschen und den Wolf näher bringen, Interesse und Verständnis wecken. Das Konzept wurde von Experten im Gebiet des Tierschutz und Umweltschutz in Zusammenarbeit mit der stetig steigenden Tourismusbranche im Nationalpark Schwarzwald entwickelt.
Hier soll nicht nur der Mensch einen besseren Bezug zu den Wolf bekommen und somit Angst verlieren und Interesse wecken, sondern auch der Wolf in den Tourismus eingegliedert werden.
Hierbei wird extrem Wert auf den Rücksichtsvollen Umgang gegenüber diesem Tier gelegt. Schutzgebiete werden eingehalten und auch jetzt in der Winterjahreszeit nicht betreten.

Der Wanderpfand wurde bereits schon im November angelegt und ausgeschildert. Er führt entlang an nachgebauten Wolfshöhlen und Ausstellungsstücken, somit bekommt der Besucher das Gefühl mit im Rudel zu wandern, aber das tatsächliche Rudel wird durch den Tourismus nicht gestört!
Die Wanderung endet am Gipfel mit den Möglichkeiten die etwas bequemere Gondelfahrt ins Tal, oder für die aktiveren Wintersportler die Wolfsabfahrt, eine Talabfahrt für Ski und Snowboardfahrer, zu nehmen.

Bei der Wolfsabfahrt wurde Wert darauf gelegt, dass die Besucher nicht auf einer üblichen Piste in das Tal fahren, sondern hier das Erlebnis haben auf einem schmalen Trampelpfad im Slalom durch den dichten Schwarzwald zu fahren.
Die Bäume und Vegetation wurden mit speziellen Matten hierfür geschützt, zudem wurde bereits seit mehreren Wintern dieses Gebiet überwacht und hat sich lediglich als seltenes Streifgebiet herausgestellt.

Somit wird der Wolf in seinem Territorium durch den Wintersport rücksichtsvoll wahrgenommen und nicht gestört.
Die Anwohner und Bevölkerung können gewohnte Aktivitäten trotz der Anwesenheit der Wolfsrudel nachgehen und die Tourismusbranche wird zusätzlich gestärkt.

2. Februar 2033: Rückschlag, Wolf greift Wanderer an

Ein Wolf überschreitet die Grenzen und greift einen Wanderer an.
Es wird davon ausgegangen, dass der Wanderer, welcher vom Weg abkam ein bereits aggressiven Wolf in der Ranzzeit überraschte und dieser Ihn daraufhin Angriff.
Der Wanderer konnte sich mit Hilfe eines Pfeffersprays wehren und wurde kurzer Zeit später von Rettungskräften mit mittleren bis schweren Bissverletzungen aus dem Wald geborgen. Er befindet sich noch unter Schock aber in einem stabilen Zustand.

,,Es war ein kalter regnerischer Februar Abend, die Decke schien mir Zuhause auf den Kopf zu fallen, da dachte ich mir, dass eine kleiner Wanderung in der Natur manchmal Wunder bewirkt.

Trotz der schon einsetzenden Dämmerung, zog ich meine Wanderschuhe an, schnappte mir meine Taschenlampe und machte mich auf den Weg.
Im Wald orientierte ich mich dann an den Wegschildern und entschloss mich kurzerhand für die Wegabzweigung Richtung Kypfelsen.
Nun ja, offensichtlich hatte ich in der kommenden Dunkelheit wohl einen Wegweiser übersehen und mich etwas im Wald verlaufen…
Etwas unbeholfen irrte ich in der zunehmenden Kälte herum – bis auf einmal dieses Geheule los ging.
Es war nicht das erste mal, dass ich die Wölfe heulen hörte, seit den letzten Jahren hat die Population der Wölfe stark zugenommen, sodass man sie auch hier immer stärker wahrnimmt.
An sich finde ich sehr gut, dass die Wölfe nun auch hier wieder heimisch und zurückgekehrt sind. Doch nun, in der Situation in der ich steckte wurde mir doch zunehmend unwohler…
Ich ging schneller und schneller, wollte nur raus aus dem dichten Gestrüpp und mich in Sicherheit wiegen…
Ja schnell war ich auch, doch ging ich in der Hektik und Angst anscheinend in die falsche Richtung.
Und dann war alles ganz still, ich wusste es, ich hatte dieses spezielle Gefühl, dass mich irgendwas beobachtete.
Ich drehte mich um und aus dem Nichts spürte ich diese Krallen auf meinem rechten Oberarm und dann kam der Biss der nur nahe meine Kehle verfehlte und ins Leere schnappte. Der Kampf scheint zu beginnen, Gott sei Dank hatte ich schon zuvor in mein Pfefferspray aus der Tasche geholt und bereits in der Hand. Ich erlitt noch ein paar Kampfwunden an meinen Beinen und dann ein kurzes Jaulen, Rascheln im Gestrüpp und der Spuk war vorüber.
Ich kann den Rettungskräften nur danken, die mich dann aus meiner misslichen Lage im Wald geborgen haben.
Mir ist durchaus bewusst, dass die Wölfe sehr wichtig für eine nachhaltige Entwicklung des Nationalparks Schwarzwalds sind aber so etwas darf nicht noch einmal passieren, ohne das Spray könnte ich ihnen wohl nun nicht mehr das Interview geben und meine Leiche würde vielleicht in ein paar Tagen von Förstern gefunden werden…
Es ist schade, dass es erst soweit kommen musste, aber nun muss ernsthaft etwas getan
werden und auch die Befürchtungen und Ängste der Anwohner ernsthaft angehört werden!“

In der Paarungszeit/Ranzzeit (Januar bis März) kann es innerhalb von Wolfrudeln zu extremen Spannungen kommen, da dann öfters die Position der Leittiere in Frage stellt wird. Die Tiere sind somit gerade in dieser Jahreszeit zunehmend aggresiv und angespannt, aber dies ist natürlich kein Grund so ein Angriff zu dulden.

Es ist Zeit zu handeln, zum Wohl der Gesellschaft aber auch zum Wohl der nachhaltigen Entwicklung des Nationalparks!
Es in den kommenden Tagen sind mehrere Sitzungen des Wolfsverbands geplant, ebenfalls sollen Internetplattformen eingerichtet werden, auf denen die Bevölkerung ihre Ängste und Sorgen, Informationen über verhaltensauffällige Wölfe aber auch Ideen und Anregungen teilen kann.

Auch die Gegner des Projekts werden nun angehört und ihre Sicht wahrgenommen. Es wird deutlich, dass nur die reine Aufklärung über den Wolf und Anpassung des Naturschwarzwaldes auf den Wolf nicht ausreicht. Um eine erfolgreiche und nachhaltige Wiederansiedlung des Wolfs gewährleisten zu können muss auch die Bevölkerung gehört und integriert, nicht nur belehrt werden.

So wird versucht diesem Rückfall entgegen zu wirken und gemeinsam mit Einbeziehung der Anwohner eine Lösung zu finden und nicht sofort das Kapitel Wolf im Nationalpark 2050 durch den Vorfall als missglückt zu beenden.

2034: Erfolgreiche Zusammenarbeit, innoative Schutzmechanismen

Erfolgreiche Annahme und Beteiligung der Bevölkerung an Entwicklung von nachhaltigen Schutzkonzepten für ein sicheres Leben mit und für den Wolf

Die Internetplattformen wurden sehr positiv von der Bevölkerung entgegengenommen, welche sich nun auch angehört und wahrgenommen fühlt. Die Beziehung zwischen Wolf und Anwohnern hat sich ebenfalls dadurch stark verbessert.

Nach anfänglicher starker Kritiken, negativen Äußerungen und Bedenken kamen verstärkt Lösungsvorschläge auf den Plattforen zu unterschiedlichsten Problemen auf, interessierte Gruppen setzen sich zusammen und entworfen unterschiedliche Schutz- und Abwehrmechanismen

Link: 
Informationen zu den entwickelten Schutzmechanismen

Sommer 2017: Aufklärung und Umgestaltung

Vorbereitung auf den wiederansiedelnden Wolf mit Aufklärung der Bevölkerung und Umgestaltung/Anpassung des Naturparkschwarzwalds.

– Gründung einer NGO ,, Wolf im Nationalpark Schwarzwald“
– Aufklärung über Informationstafeln, Schulbesuche, Workshops, Waldführungen,…
– Bereitstellung von finanziellen Mitteln für Nutztierhalter bezüglich Nutztierschutz
– Einführung von Schutzzonen rund um Wolfshöhlen
– Bauung von Wildtierbrücken zur Verbindung von Biotopen